EDV-Berater: Freiberufler ohne Studium?

IT Fachmann

Im Klartext:

Ein EDV-Berater muss die Kenntnisse eines Bachelors der Informatik haben, um steuerlich als Freiberufler zu gelten.

 

Im Detail:

Das Finanzgericht Hamburg hat entschieden, dass der Beruf des EDV-Berater dann als freier Beruf, wie Ingenieur, einzustufen ist, wenn man das Wissen eines Informatikers mit einem (Fach-)Hochschulabschluss in vergleichbarer Breite und Tiefe auf eine andere Weise im Wege der Forbildung oder des Selbststudiums angeeignet hat.

 

Als Maßstab wurde angeführt, dass mindestens bei elf von zwölf Modulen eines Bachelorstudiums mindestens ausreichende Kenntnisse vorliegen müssen, um den Nachweis zu erbringen, dass dieses Wissen vorliegt. Auf die tatsächlichen Kenntnisse kommt es also nicht an. Urteil

 

Warum ist diese Einstufung wichtig?

Die Einstufung als Freiberufler gegenüber Gewerbetreibendem hat steuerlich besondere Vorteile, die nur freien Berufen vorbehalten sind:

 

Vorteil 1: Einnahmen-Überschuss-Rechnung immer zulässig

 

Als Freiberufler kann man seinen Gewinn immer mit einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung(EÜR) feststellen statt bei bestimmten Grenzen eine Bilanz aufzustellen. Eine Bilanz ist zum einen teurer als eine EÜR. Zum anderen bildet die Bilanz die eigene Situation etwas unintuiver ab, was die Steuerschuld manchmal nicht in's Verhältnis mit den gefühlten Gewinnen setzt, vorallem bei Schuldern, die ihre Rechnungen ungern bezahlen.

 

Vorteil 2: Umsatzsteuerliche IST-Versteuerung

 

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Umsatzsteuer nach vereinnahmten Entgelten abzuführen ist. Das heißt, dass die Umsatzsteuer erst zu zahlen ist, wenn der Kunde bezahlt hat. Das bringt Liquidität, weil man die Umsatzsteuer nicht vorfinanzieren muss, die einem der Kunde schuldet.

 

Vorteil 3: Keine Gewerbesteuer

 

Dritter Vorteil ist, dass keine Gewerbesteuer anfällt. In der Praxis macht das kaum einen Unterschied, weil die Gewerbesteuer angerechnet wird.

 

Aber ohne Gewerbesteuerpflicht entfällt der Gemeinde als Gläubiger von Steuerschulden. Das bedeutet, dass man in Sachen Steuern nur das Finanzamt und nicht die Gemeinde als Ansprechpartner hat.

 

Was ist eure Meinung?

  • Macht eine Unterscheidung zwischen freiberuflich und gewerblich Sinn?
  • Sollte ein Studium eine zwingende Voraussetzung sein?

Ich bin gespannt.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Guido Schiffers (Donnerstag, 03 März 2016 20:28)

    Hallo Marcel,
    dem Urteil kann man nach derzeitiger Rechtsprechung eigentlich nichts entgegensetzen. Für mich ist das ganz einfach nachvollziehbar.
    Allerdings sehe ich bis heute zu nicht ein, welcher Umstand überhaupt dazu berechtigt, zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden zu unterscheiden. Je nach Konstellation - was die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angeht - sind so Gewerbetreibende gegenüber den Freiberuflern bei der Besteuerung ihrer Einkünfte eindeutig benachteiligt. VG aus Aachen